
Rückblick: Kölner Tage Unternehmensnachfolge 2026
Am 11. September 2026 sprach Maike Tallen bei den Kölner Tagen Unternehmensnachfolge des Verlags Dr. Otto Schmidt. Ihr Vortrag „Asset Protection – Wenn Privatautonomie auf Insolvenzanfechtung trifft“ galt einer Frage, die sie aus zwei Richtungen kennt:
„Als Notarin beurkunde ich Vermögensübertragungen. Als Insolvenzverwalterin fechte ich sie an.“
– Maike Tallen
Wo verläuft die Grenze?
Im Mittelpunkt stand die Frage, wo legitimer Vermögensschutz endet und wo eine Gestaltung beginnt, die im Ernstfall zusammenfällt. Ausgangspunkt war eine Entscheidung des Bundesgerichtshofs vom Juli 2025, die einem Asset-Protection-Modell die Grenzen aufgezeigt hat. Daraus leitete Maike Tallen Empfehlungen für die Beratungspraxis ab und ging die Gestaltungsinstrumente durch, die in der Praxis tragen – jeweils mit der Grenze, an der sie aufhören zu tragen.
Ihre Antwort auf die Leitfrage war nach dem Vortrag dieselbe wie davor, nur schärfer: Entscheidend ist nicht, wie eine Gestaltung heißt, sondern wie sie wirtschaftlich wirkt. Wer Schuldnerschaft und haftendes Vermögen auseinanderzieht und dabei die Kontrolle behält, hat kein Schutzkonzept gebaut, sondern ein Beweismittel.
Vorsorge, keine Krisenmaßnahme
Für die Beratung folgt daraus vor allem eine Frage des Zeitpunkts. Ob eine Immobilie bei der Gründung auf den Ehepartner übertragen wird oder erst, wenn die Bank ein Sanierungsgutachten verlangt: Rechtlich ist es dieselbe Urkunde. Praktisch ist es der Unterschied zwischen Vorsorge und einem möglichen Anfechtungsprozess. Oft unterschätzt wird, dass es genügt, wenn die Übertragung unentgeltlich war und in den letzten vier Jahren vor dem Insolvenzantrag lag. Asset Protection ist deshalb Vorsorge – wer sie früh angeht, hat später keine Diskussion.
Keine Schlupflöcher gesucht
Besonders gefreut hat Maike Tallen die Diskussion im Anschluss: Niemand im Raum wollte Schlupflöcher. Alle wollten wissen, wie man sauber gestaltet – aus ihrer Sicht genau die richtige Frage.
Wir danken dem Verlag Dr. Otto Schmidt und der Tagungsleitung, Dr. Luise Hauschild und Dr. Catarina Herbst, für die Einladung sowie allen Teilnehmenden für die Diskussion.
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